Strommangel im Kontext von Winter und Energiewende, von Dr. Hugh Bronson

Berlin, 18. Februar 2021

Guten Tag,

Februar 2021.  Neben der Pandemie hält auch der Winter die Nordhalbkugel der Erde fest im Griff. Auch in Deutschland setzten uns Schnee, Eis und Kälte zu.

So saßen in Jena viele Menschen ausgerechnet während der Kältespitzen frierend in ihren Wohnungen, weil die Fernwärme nicht in die betroffenen Haushalte strömen konnte. Auch in Berlin kam es wiederholt zu Heiz- und Stromausfällen. Und das bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Ähnliches passierte in Nordamerika.

Nun, zu dieser Jahreszeit können Schneestürme zwar heftig werden, aber das muss nicht ungewöhnlich sein. Mal gibt es milde, mal strenge Winter. Mal sonnige, mal trübe Sommer. Was diesen Winter aber ungewöhnlich ist, ist die Kopplung zweier Faktoren, von denen sich einer, das Wetter, nicht kontrollieren läßt:

Erstens, die Dauer und Intensität des Kaltwetters, das in Europa sogar die irische See vereisen und den Süden Spaniens sowie Nordamerika bis tief nach Texas und Mexiko verschneien ließ. Sogar im subtropischen Louisiana waren die Gewässer vereist.

Zweitens, die wenig verblüffende Erkenntnis, dass die Versorgung per Energiewende im Kontext des Winters, vor allem eines echten Winters, nicht funktioniert.

Bewährt: Konventioneller Energiemix

Schauen wir uns also einmal genauer an, wo die Schnittmengen zwischen Strom- und Heizungsausfällen und kaltem Winterwetter liegen: Auf der iberischen Halbinsel tobte ein heftiger Schneesturm, ebenso in Großbritannien. Doch weder das wenig winteraffine Spanien, noch Großbritannien litten unter vielen Stromausfällen. Sowohl in Großbritannien wie auch in Spanien läuft die primäre Stromerzeugung im Mix per nuklearer und fossiler Energieträger. Wind- und Solarkraftanlagen werden zwar substituierend hinzu gebaut, doch die installierte Stromleistung aus konventioneller Erzeugung bleibt erhalten. Die konventionellen Kraftwerke können gerade bei extremen Wetterverhältnissen präziser gesteuert werden. Dieser heterogene und flexibel zuschaltbare Energiemix beider Länder hält das Stromnetz stabil.

Energiepolitik gefährdet Stromnetze  

Gerade in den Städten konzentrieren sich im Winter Stromverbrauch und Heizleistung: Auf relativ kleiner Fläche nutzen relativ viele Verbraucher in kurzer Zeit viel Energie. Das war in Städten schon immer so. Bislang wurden die Kraftwerke, die die Städte versorgen, in ihrer Grundlastleistung entsprechend rauf- oder runter geregelt, je Bedarf.  In Lastspitzen, die gerade in der winterlichen Dynamik von Dunkelheit und hohem Stromverbrauch (Licht, Wärme, heißes Wasser …) entstehen, bietet die Kombination eines Kreislaufs vieler Kraftwerke eine recht schnelle Anpassung des Lastbedarfs. Nun bekamen wir aber unter der Regierung Merkel die so genannte Energiewende in Deutschland, die das Kraftwerksnetz respektive Ausbau fossilfreier Energieversorgung immer mehr ausdünnt. Berlin hat jüngst Versorger Vattenfall vergrault, wie ich an dieser Stelle bereits Ende November 2020 berichtete.  Unpraktischerweise dünnt die Bevölkerung in Deutschland nicht proportional zum Kraftwerksrückbau aus, ja, nimmt, spätestens seit Öffnung der (bis Corona nicht schließbaren) Grenzen 2015, eher zu. Vor allem in den Städten. Ergo: Der Verbrauch steigt, antiproportional zur mangelnden Strominfrastruktur.

Die Folge: Haben wir einen vergleichsweise milden Winter, wie 2020, dann kann das löchrige Stromnetz den Bedarf noch einigermaßen decken. Hält sich ein Winter, wie 2021, aber mal nicht an die klaren Vorgaben von „Fridays for Future“, können Teile des Netzes zusammenbrechen. Ein möglicher „Blackout“ würde verheerend wirken.

Faktor Lockdown:

Nun ist zwar ein Fernwärme-Heizkraftwerk kein Stromkraftwerk, doch auch dieses hängt, mit hoher Last, am Stromnetz. Im Winter und besonders im Lockdown sitzen die Menschen zuhause fest und arbeiten im Heimbüro. Das bedeutet, dort, wo tagsüber weniger Strom- und Heizleistung eingespeist werden musste, weil die Menschen in Büros, Schulen, Sporthallen etc. unterwegs waren, ist jetzt doppelt so viel Heiz- und Strombedarf nötig: Weil die gesamte Familie zuhause sitzen muss, weil Kinder und Eltern vor ihren Monitoren sitzen, arbeiten, studieren, Filme anschauen…alle Räume geheizt und bestromt werden. In jedem Haus, dicht an dicht.

Dagegen sind Geschäftsräume, Schulen, Büros, Bäder und Sportzentren leer. Von oben betrachtet sind also ausgerechnet die Stadtzentren, die für hohe Verbrauchslasten ausgelegt und ausgebaut sind, durch weniger Bedarf entlastet, doch die Wohnungen, die nicht für hohe Verbrauchsintensität verbaut wurden, unter zusätzlicher, starker und fortdauernder Last. Das verursacht Schieflage. Fehlt also installierte Kraftwerksleistung und ist ein Winter ein Winter, dann kracht’s!

Da die Physik im Deutschland der Kanzlerschaft einer Physikerin zuweilen ignoriert wird, weil sich die Naturgesetze im Gegensatz zu Grundgesetzen eben nicht außer Kraft setzen lassen, blicken wir einmal über den großen Teich, in die USA: Dort fing der – bestenfalls gut gemeinte – Holzweg mit der Energiewende ebenfalls an, wenngleich etwas verzögert, weshalb die Kritik in den USA noch fruchtet:

Diskussion um Energiemix

Zahlreiche Stromausfälle im US-Bundestaat Texas führten dieser Tage dazu, dass Menschen in Eiseskälte in ihren Wohnungen ausharren müssen. Das schaffte nicht jeder, es kam leider zu Todesfällen. So läuft die Suche nach den Verantwortlichen. Denn gegen den Winter kann keiner etwas tun, für die ausgefallene Stromversorgung allerdings schon. Wo früher Grundlast durch konventionelle Energieträger erzeugt wurde, stehen heute Windanlagen. Mit entsprechenden Folgen: „Wir sollten niemals wieder eine Windturbine in Texas bauen“, schrieb hierzu Sid Miller, der texanische Landwirtschaftsbevollmächtigte auf der Social Media Plattform Facebook.

Es passierte nämlich genau das, was auch in Deutschland passierte: Die jahreszeitlich bedingte Ausgangsproblematik aus weniger Lichtintensität und mehr Verbrauch auf konzentriertem Raum sorgt bei Windflaute für Grundlastdefizite. Kommt dann die extreme Kälte hinzu, brechen die Stromnetze zusammen. Aus diesem Grund meldete US-Senator Steve Daines im Kurznachrichtendienst Twitter, dass „die Stromausfälle ein perfektes Argument dafür seien, dass die USA verlässliche Energieträger wie Kohle und Gas brauchten.“ Die Diskussion um den optimalen Energiemix läuft.

Windkraft unter Medienkritik

Neben den Stimmen der Politiker sorgen sich auch Journalisten und Ökonomen um die Zuverlässigkeit der Anlagen für Windenergie. So heißt es im Magazin „Forbes“: „Die Ausfälle in Texas rücken die Zuverlässigkeit erneuerbarer Energien in den Mittelpunkt“. Auch die eher der Windkraft zugeneigte New York Times stellt dar, dass der Windstrom eine mögliche Schwachstelle in der Energieversorgung sei. Autor Sal Gilbertie fasst die Lage in „Forbes“ zusammen: „Wenn dies bedeutet, dass zu dem Zeitpunkt, an dem er (Strom, Anm. d. Verf.) am dringendsten benötigt wird, nicht genügend Strom liefert“, dann ist dies „das Problem bei erneuerbaren Energien: Sie sind nicht immer da, wenn es schwierig wird.“  Und diese Analyse von Sal Gilbertie trifft’s. Wenn die Heizung nur dann nicht funktioniert, wenn es besonders kalt ist, oder das Licht nur dann ausbleibt, wenn es besonders dunkel ist – ja, dann brauchen wir auch keine Energieerzeugung! Das ist Nonsens!

Was folgt daraus? Heißt ein Schritt zurück zu „verlässlichen“ , also konventionellen Energieerzeugung aus fossilen Energieträgern wie z.B. Erdgas oder Kohle, auch, die Klimabilanz zu schädigen? Ja und nein. Es ist richtig, dass bei der Erzeugung von Strom durch fossile Energieträger bei der Oxidation CO2 emittiert. Das ist trotz Verbau von Filtern, leistungsfähigeren Turbinen und weiterer technischer Optimierung natürlich nicht gut. Wenn wir aber die gesamte Ökobilanz von Wind- und Solarkraft genauer ansehen, was genügend Material für einen weiteren Beitrag an dieser Stelle gäbe, dann schmilzt der Nettovorteil der „Erneuerbaren Energien“ zusammen: Abbau seltener Erden für Solarpaneele in Minen Zentralafrikas und Zentralasiens, Verbrauch von fossilem Treibstoff, Wasser, Strom  bei Abbau, Transport und Montage, Abtransport, Endmontage, Installation, stete Wartung, Enteisung von Rotoren per Helikopter, Rückbau, Demontage. Die Liste ließe sich hier noch ein großes Stück weit verlängern. Ergebnis Ökobilanz bei Erneuerbaren eher mau, Leistung unterdurchschnittlich, für Endverbraucher teuer, für die Natur…die fragwürdige Perspektive Richtung Pest, statt Cholera.

Energiewende: Verheerende Ökobilanz

Wir sind noch gar nicht bei den direkten Umweltfolgen von Vogelschlag und der ethischen Untersuchung, wer eigentlich zu miserablen Bedingungen die seltenen Erden und Mineralien in den Bergwerken abbaut, Stichwort Kinderarbeit. Und wir sind noch gar nicht bei der Frage angelangt, wer eigentlich vom Ausbau der Erneuerbaren Energien profitiert, Stichworte Grüne Besserverdienende und Lobbyismus. Wenden wir uns der aktuellen Situation zu: Es ist schlimm, aber eine Tatsache, dass viele Menschen nun mal viel Energie verbrauchen, viele Ressourcen generell. Schlimmer wiegt aber, wenn infolge Stromausfällen Menschen sterben: Die OP in der Klinik, das Pflegeheim, Polizei, Rettungskräfte und viele private Haushalte. Kinder, Ältere, Tiere in Zoos etc. Wehe, wenn der Blackout länger dauert: Wasserversorgung, Staudämme, Schienennetze, Sicherheit, Internet, Militär…die Folgen sind unabsehbar. Wir spüren bereits jetzt die Planlosigkeit der Bundesregierung und ihr mangelndes Geschick beim Bewältigen der Pandemie. Was, wenn die gleichen Verantwortlichen das Mandat tragen sollten, die Folgen eines längeren Stromblackouts bewältigen zu müssen? Da wird einem himmelangst!

Resümée: Es gibt – leider – keine „freie Energie“. Wer so etwas erzählt, hält Physik sicher auch für eine politische Partei. Energie muss immer irgendwo herkommen, erzeugt werden. Der Unterschied zwischen einem Gaskraftwerk und einem Windpark ist, dass die Emissionen beim Kraftwerk sichtbar werden, die ökologischen Schäden des Windparks  jedoch nicht gleich zutage treten. Aber schadlos ist bislang nur, wenn wir alle, salopp gesagt, das Atmen und Essen einstellen. Wir wollen nicht hoffen, dass die Berliner Regierung auf solche Ideen kommt, doch eines ist jetzt schon klar: Weder bei Pandemie-Politik, noch bei Energieversorgung wird umgesteuert, sondern stur Kurs Richtung Eisberg gehalten. Und der Eisberg, das stellte dieser Winter deutlich klar, ist stärker als menschliche Hybris. Das Wetter und das Klima sind nicht kontrollierbar.

Die Alternative: Wenn Sie Verantwortung für das Land, für die Sicherheit und Versorgung seiner Bewohner möchten, keine Politiker wünschen, die auf Trug und Irrglaube setzen, sondern auf Menschen, die aufgrund von Fakten und Sachkenntnis Entscheidungen treffen: Unterstützen sie meine Partei, die AfD, unsere Politik und unser Anliegen, die Bevölkerung vor Schaden zu schützen. Die Bundesregierung bleibt auf Kollisionskurs. Wir steuern in sicherere Gewässer.

Bleiben Sie gesund,

ihr

Dr. Hugh Bronson

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Angaben zum Bild:

„Das Eismeer“, Gemälde von Caspar David Friedrich (Greifswald, *1774 – Dresden, †1840)

Öl auf Leinwand, 1824. Epoche: Vormärz.

Maße: 96,7 × 126,9 cm

Aufbewahrungsort: Hamburger Kunsthalle

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